Vorab Hinweis: Die Fertigstellung dieses Artikel hat sich verzögert durch den Umstand, dass 48 St. lang Gift durch meine Eingeweide gewandert ist, was mich verständlicherweise am Bloggen gehindert hat. Die hier geschilderten Vorgänge beziehen sich auf Dienstag, den 2.Februar.
-
Gestern kam es mir fast schon pietätlos vor, als ich nicht wenigstens in Tränen ausbrach, ganz so, als würde ich dem, was da gewesen war, oder besser gesagt, was ich da gekonnt hatte, dem ihm zustehenden Respekt verweigern.
Ich habe aufgegeben, mich wundern. Was ich in den letzten Wochen – aber ich wiederhole mich. Und wenn ich es auch noch so oft wieder und wieder aufschreibe ….. weder werde ich es dadurch begreifen, noch Anderen begreiflich machen können.
Eins hab ich allerdings mittlerweile verstanden, oder besser gesagt, ich hab es mir eingestanden….. eingestehen müssen.
Das, was im Moment passiert, das ist das, was ich immer behauptet hab, das es an diesem einen Abend im Juli 2006 passiert wäre. Oh, sicher, die Geschichte mit dem Konzert stimmt, und dass ich plötzlich wie vom Donner gerührt das Lied erkannt hab, ja, ja, das alles ist wahr, das alles stimmt!
Nur….. was nicht stimmt – und das hier fällt mir verdammt schwer, zuzugeben – sind die Folgen, die dieses Ereignis angeblich hatte. Ich wollte so sehr, dass es sie hatte, dass ich das, was tatsächlich passiert war mit rührenden Geschichten ausschmückte …… in Wirklichkeit ging es mir kaum besser. Eine langsame Besserung hatte 2003 eingesetzt und in dem Tempo ging es auch weiter, daran hat dieser Abend nichts geändert.
Ich will ihn nicht klein reden, diesen Abend, nein, ganz sicher nicht, denn er hat mich nach all den Jahren wieder zur Musik gebracht, und die hat mich letztendlich aus der Hölle gezogen.
Aber das, was ich ihm immer zugeschrieben hab, das passiert jetzt! In diesen Wochen seit Anfang Dezember. Ich hab es angezogen mit meiner ganzen theatralischen Sabbelei, ohne auch nur einen Moment ernsthaft daran zu glauben, dass es mir in meinem Leben noch jemals so viel besser gehen könnte, und jetzt kriege ich es ohne Vorwarnung um die Ohren geschlagen ……
Zurück zu gestern.
Wie schon erwähnt, muss, bzw, will ich bei diesem Wetter irgendwie selbst einkaufen, und zwar nicht nur, wenn ich mal gerade wieder kann.
Drei Möglichkeiten hätte ich theoretisch, praktisch aber nur zwei. Die Erste wäre leicht, hier ca. 1.5 km durch Schleichwege zu einem kleinen Lebensmittelladen. Das hatte ich vor ca. vier Wochen zum ersten mal gemacht und seitdem alle paar Tage – mit wachsender Begeisterung. Seit 13 Jahren hatte ich nicht mehr so viel Bewegung gehabt und ich merkte, wie gut mir das tat. Nachteil: Der Laden hat nur das Nötigste und ist teuer.
Zweite Möglichkeit: mit dem Bus in die Stadt. Das hab ich bis jetzt einmal gemacht, vor zwei oder drei Wochen, siehe die nicht ganz einfach zu verkraftende Schilderung HIER, es war zwar ganz gut gegangen, aber es würde trotzdem enorm schwer werden, mich dazu zubringen, es nochmal zutun, es würde ein riesen Maß an Zusammenreißen und Willenskraft erfordern.
Die dritte, rein theoretische, Möglichkeit wäre ein Taxi. Ausgeschlossen! Ich kann nicht mal zu Leuten, die ich kenne, ins Auto steigen, allein bei dem Gedanken, in ein Taxi zu steigen, krampften sich meine Eingeweide vor Angst zusammen, vor meinem inneren Auge sah ich mich da ins Auto kotzen und in Panik um mich schlagen. Nein. Ich hatte genau zwei Möglichkeiten, mehr nicht.
Der Druck, los zu müssen, hatte schon seit Montag auf mir gelastet. Gestern legte ich mich über mittag noch etwas hin, aber als ich wach wurde, war mir sofort klar, dass ich es nicht mal zu dem kleinen Laden hier oben schaffen würde. Der Gedanke aus dem Haus zu gehen verursachte bei mir vor Angst bleiernde Müdigkeit, Schwäche und Übelkeit. Weil ich jetzt gar nicht wusste, was ich machen sollte, beschloss ich, nach nebenan zu gehen. Seit dem diese Schneefälle begonnen haben, lassen sich meine Eltern machmal etwas von einem Seniorenbringdienst bringen, und vielleicht könnte ich fragen, ob sie ein paar Teile für mich mit bestellen könnten.
Um da nicht schon wieder anzukommen mit “Ich kann nicht”, griff ich zu einer folgenschweren! Notlüge: ich sagte zu meiner Mutter, ich hätte eigentlich vorgehabt, sie zu fragen, ob wir zusammen mit dem Taxi in die Stadt einkaufen fahren würden, aber das würde sie ja eh nicht wollen.
- ….. und dessen war ich mir auch 100%ig sicher! Meine Mutter würde nie irgendetwas mit mir alleine machen, was bei mir zu einem Panikanfall führen könnte! Damit kann sie nicht umgehen, sie weiß nicht was sie machen soll und reagiert schroff, was einmal um ein Haar übel geendet hätte, seitdem meidet sie solche Situationen. -
Aber flöttepiepen! Ja, das wäre eine gute Idee, meinte Sie! (Waaaaaas?!) Man wüsste ja nie, was das Wetter bringen würde, und so könnte sie auch einmal wieder richtig einkaufen, da wäre soviel, das fehlen würde.
Ich stand da wie zur Salzsäule erstart, fing mich aber ungewohnt schnell. Vernünftig betrachtet wäre es das Beste. Auch ich könnte dann viel erledigen. Aber…… ich ging alles in Gedanken durch…… nie würde ich das schaffen! Nie! Mein Gott, wo hatte ich mich da bloß rein geritten……
Wieder zurückzurudern würde sie mir ewig übelnehmen – ging sie doch in Gedanken sicher schon ihre Einkaufsliste durch. Und dann wurde mir schlagartig klar, worauf ich mich da eingelassen hatte…… Ich sagte vorsichtig, dass, sollte ich mit der Taxifahrt auf der Hinfahrt Probleme gehabt haben, so würde ich den Bus zurück nehmen, das war ja letztes mal sehr gut gegangen und das kannte ich ja wenigstens schon….., ob ihr das was ausmachen würde. Wieso ich denn plötzlich nicht mehr Autofahren könne, Taxi fahren sei doch auch nichts Anderes, bekam ich zuhören, und in keinem sehr freundlichen Tonfall. – Ich sagte ja schon, sie kann damit nicht umgehen, das konnte sie noch nie. – Für mich war die Sache in dem Moment gegessen. Null Chance, dass ich das jetzt noch können würde, egal was das nach sich ziehen würde.
Ich wollte gerade den Mund aufmachen um das zu sagen, da dachte ich “Halt! – Du musst in die Stadt, so oder so. Du bist nicht abhängig davon was sie sagt oder denkt, Du musst ganz sicher keine Erwartungen erfüllen, sie müsste selbst wissen, dass sie sich nicht auf jemanden mit einer so schweren Angsterkrankung verlassen kann, aber wie auch immer, es ist nicht Dein Problem. Zieh Du das hier durch, wie Du es kannst, lass Dich nicht beirren, lass Dir nichts einreden, lass Dir nichts aufhalsen – tu es für Dich, wie Du es kannst.”
Eine halbe Stunde später saß ich in einem Taxi. Vorne. Das gehörte zu dem, was unbedingt sein musste. Ich überlegte kurz, ob ich den Fahrer darauf hinweisen sollte, vielleicht unterwegs anhalten zu müssen, aber ich fühlte mich da so wohl und ruhig, dass ich die Notwendigkeit nicht sah, ebensowenig auf der Rückfahrt.
Und damit wäre meine Welt wieder ein klitzekleines Stückchen gerader…..


Genau sowas war der Grund, warum ich damals ganz alleine gegen die Störung angegangen bin. Jeder Druck, andere nicht zu enttäuschen, oder, wie bei meinem Ex-Mann, dann auch noch angebafft zu werden, hat meine Angst nur noch verstärkt. Immer den Gedanken: “Oh Gott, wenn der/die dabei ist, darf ich keine Panik bekommen. Er/Sie kann das ja nicht wirklich verstehen” – Man nennt sowas dann ja auch “Die Angst vor der Angst” und dann wird es eh nur noch schlimmer und passiert erst Recht. Du hast es schon richtig gemacht! Scheiß drauf, ob andere es verstehen oder nicht, hör einfach auf dein Gefühl und geh mit dir selbst Kompromisse ein. Ich hab immer mit mir selbst einen geschlossen, also mir gesagt wenn ich z.B. im Supermarkt merkte, dass die Panik sich anschlich: “Nur noch 5 Minuten länger und dann geh ich raus, okay” So konnte ich nach und nach immer länger bleiben und heute geht es wieder völlig normal so lange wie ich will, ganz ohne Panik
Ja, man muss irgendwann anfangen, dazu zustehen. Ich hab sehr früh angefangen, mich rigoros von Menschen zu trennen, die damit nicht zurecht kamen, bzw. unmöglich reagierten bzw. denen es merklich peinlich war – ebenso von Leuten, die stets vermeintlich gute Ratschläge an der Hand hatten…..
In meinem Umfeld ist das eigentlich nur noch meine Mutter, dagegen komm ich jetzt mittlerweile aber ganz gut an.