Archive for Februar, 2010

Drei mal dürfen Sie raten

Sonntag, Februar 28th, 2010

….. wo ich gestern war.

Langsam überschlägt sich hier alles, ich war doch noch nicht mal mit meiner Beschreibung vom ersten mal fertig. Und bevor Sie jetzt meinen, sich erst wieder psychisch wappnen zu müssen, wenn Sie das hier lesen wollen….., nein, nein, lesen Sie ruhig, dazu besteht diesmal wirklich kein Grund.

Obwohl es erst ganz anders aussah.

Ich hatte mir vorgenommen, ab jetzt jeden Monat für einen “Nicht Lebensmittel Großeinkauf” weiter weg zu fahren, also hauptsächlich Drogerieartikel, Apotheke, Dinge die ich sonst im Internet bestellt hätte usw. . Auf diese Weise hätte ich für kaum Zusatzkosten (nur die Bahnfahrkarte) eine ganz hervorragende Therapie. Nur im Voraus planen geht natürlich noch nicht. Da mir aber die Seife und entcoffeinierter Darjeeling Tee (nobel geht die Welt zu Grunde ;) ) ausgegangen war, stand ich gestern morgen  vor einem recht diffusen und für Außenseiter schwer verständlichen Problem….. Wenn ich jetzt anfangen würde, erst wieder hier im Dorf in die Drogerie zugehen (wovon ich, nebenbei bemerkt, immer noch meinen Tee nicht hätte, denn sowas kennt man hier, glaub ich, gar nicht), dann würde ich aus reiner Bequemlichkeit über kurz oder lang das selbständige Einkaufen wieder ganz aufgeben und das Auto meiner Eltern nehmen – wo dann wieder einer von ihnen mitfahren müsste, da ich nicht allein Auto fahren kann, wodurch sich dann alles über diesen Winter erreichte in null Komma nichts in Luft auflösen würde – und womit sich dann, in letzter Konsequenz, auch München erledigt hätte.

Das war aber noch nicht das ganze Problem. Irgendwie war mir klar, wenn ich das nächste mal nach Bielefeld komme, dann ist dieser “ahh” Reiz weg. Ich meine, machen wir uns nichts vor, wie fremd kann diese Stadt mir in 15 Jahren geworden sein, schließlich war ich hier an der Uni, jahrelang war ich fast jeden Tag in der Innenstadt, nächtelang in Discos und Kneipen, und außerdem hatten bestimmte Leute natürlich recht….. es ist Provinz.

Nein, sicher ändert es nichts daran, dass es für mich ein absoluter Meilenstein ist, da jetzt wieder hin fahren zu können, und es wäre aus normaler Sicht völlig in Ordnung, das jetzt ein halbes Jahr so ohne weitere Steigerung durchzuziehen, nur “irgendwem” passt das wieder nicht, und dieser “irgendwer” (das brauchen Sie nicht zu verstehen) hatte beschlossen, dass eine Steigerung da zu sein hat, jedesmal. Und ich hoffte inständig, dass die Tatsache, dass ich mit einem sehr wahrscheinlich proppe vollen Zug in eine völlig überfüllte Stadt müsste – schließlich war es der erste Samstag im  Monat (nicht ganz, aber Sie wissen, was ich meine) – als Steigerung reichen würde …..

Ganz im Gegensatz zum ersten mal, musste ich gestern tatsächlich viel Überwindung aufbringen.
Ich war früh am Zug, so dass ich genügend Zeit hatte, um mir zu überlegen, was alles schief gehen könnte und ob ich es nicht besser lassen sollte. Dann musste ich im – tatsächlich überfüllten – Zug rückwärts fahren, und alles, was mich davon abhielt, nicht bei der nächsten Station die Flucht zu ergreifen, war “Himmelnochmal Du bleibst da sitzen! Wie willst Du im Juli sechs Stunden Zug fahren, wenn Du hier nicht mal ‘ne halbe Stunde rückwärts schaffst?!” und außerdem….. es war kalt, es regnete, ich wäre auf einem fremden Dorfbahnhof gestrandet gewesen ohne die Aussicht, dass der nächste Zug weniger voll sein würde. Zur Not würde ich halt aufstehen.

Als ich dann noch bei dem Gedränge beim Aussteigen und auf dem Gleis fast in Panik geraten und beim Anblick der Einkaufpassage, in der eine riesige Menschenmenge wie ein Fluss hin und her schwappte entsetzt stehen geblieben war, dachte ich, mir doch zumindest ganz sicher sein zu können, dass es Steigerungen für diesen Tag doch nun genug gegeben hatte…..

….. gut eine dreiviertel Stunde später zog ich eine Nummer bei einem dieser Friseure, die sehr billig sind und bei denen man keine Termine braucht!

Ich mag keine Friseure, mein letzter Besuch war gut 13 Jahre her. Zu den schlechten Erfahrungen kommen noch 1. die Erinnerung an eine ganz masssive Angstattake bei einem Besuch und 2., dass ich immer nie weiß, ob ich was, bzw. was ich sagen soll.

Meine Nummer war noch lange hin und ich erfuhr, dass ich nicht dort zu warten bräuchte.
Als ich nach 20 Minuten wieder kam, war der Zähler erst eine Nummer weiter, also beschloss ich noch kurz auf  Toilette zu gehen, und als ich da  wieder kam (10 Minuten) waren miteinmal sieben Nummern weg und meine schon überschritten. Das konnte so nicht angehen, aber nun gut, vielleicht waren andere Kunden auch nicht rechtzeitig wieder da gewesen, damit muss man rechnen, ich hätte ja da bleiben können – kein Drama. Da der Laden aber fast leer war, fragte ich, ob ich eine neue Nummer ziehen müsse – schließlich war ich zum ersten mal da – und hatte wirklich die einzige unangenehme Erfahrung des ganzen Tages: Ein Friseur, der sich für sonstwas hielt und es offensichtlich nicht gelernt hatte, eine normale Konversation zu führen. Angesprochen, musste er erstmal aufseufzen und überlegen, ob er es fertig bringen würde, mir eine Antwort zukommen zu lasssen, und so ging das weiter…..  als ich hinterher meine Friseurin fragte, ob ich den Fön nehmen könnte, rief er vom Nebenstuhl, nein, ich müsse pusten, als ich fragte, ob ich den Umhang (zur Erklärung: bei dieser Friseurkette muss man eine Menge selbst machen) dort auf dem Stuhl liegen lassen könnte, meinte er einfach “nein”, und nur mein ziemlich verärgerter Blick dürfte ihn davon abgehalten haben, noch ein flappsiges “den müssen Sie jetzt festhalten” nachzuschieben.

Ich hab lange überlegt, ob ich mich über sein Verhalten beschweren soll, eine Telefonnummer dafür gibt es. Früher hätte ich automatisch mir selbst die Schuld gegeben, hätte mir gesagt, so ist halt der normale Tonfall und ich bin viel zu empfindlich, aber damit ist zum Glück lange Schluss. Ich konnte schon als Jugendlicher nicht mit “flappsig immer man locker”, das war nie mein Ding. Wenn sie draußen ein Schild aufhängen, dass dies ein Friseur für Jugendliche ist, dann können die drinnen ja so einen Ton anschlagen, aber solange sie das nicht tun, kann man jawohl von einem ordentlichen, erwachsenen Tonfall ausgehen. Dazu kommt, dass der Mann einfach unfreundlich war.

Das alles gesagt habend, kann ich ansonsten aber nur Positives über diesen Friseur berichten, der Laden ist sauber und ordentlich, und die Dame, die bei mir die Haare geschnitten hat, war super freundlich und konnte das richtig gut. Ich hatte auch früher, als ich noch zu Friseuren ging, selten so ordentlich geschnittene Haare.

Gut, was bliebe noch…..

Dass ich wieder nach Hause gekommen bin, dürfte klar sein. Die Zugfahrt im Halbdunkel und bei Vollmond (und vorwärts ;) ) war so schön. Ich hab auf dem Bahnhof tatsächlich überlegt, ob ich noch nach Hannover fahren soll – nur hin und wieder zurück. Warum Hannover….. das erkläre ich ein andermal.

Nachtrag:

Ach ja, die Bilder, also das links, das ist das alte Bielefelder Rathaus, und rechts, dazu sag ich immer “die Oper” , in Wirklichkeit ist es das Stadttheater.

Abraham Zitate, 24.02.10

Freitag, Februar 26th, 2010

“Um Jemandem zu helfen, der sich auf einer völlig anderen Schwingungsfrequenz befindet, musst Du Deine Frequenz anpassen, damit er Dich hören kann. Und wenn wir in Deinem Körper steckten, würden wir niemals unsere Schwingungsfrequenz absenken. Aus absolut gar keinen Gründen würden wir mehr Widerstand in unsere Schwingungen bringen, weil, dadurch, dass Du Deine Verbindung mit der Quelle unterbrichst, haben sie auch nicht mehr zu essen.”

Hinweise zu diesen Texten

Ruhe meine Seele

Mittwoch, Februar 24th, 2010

Mit 16 hab ich mich mit dem Pfarrer überworfen, weil mir die Lutherübersetzung der Bibel nicht passte. Seitdem war es mein erklärtes Ziel, sie eines Tages selbst zu übersetzen. Jawohl, die ganze. Aus Originalquellen. Auf sowas kann man wohl nur als naiver Jugendlicher kommen – oh, sicher ein hehres Ziel, nur….. wer sollte mir wohl die Originale geben?!

Nun, mit der Bibel hab ich es nicht mehr so, aber die Anekdote erklärt wohl, warum ich sie noch fast auswendig kann. Nein, ich hab’s nicht mehr so mit ihr, aber manchmal, da erinnert mich irgendetwas unverhofft und aus heiterem Himmel an eine Stelle, die mir mal unglaublich viel bedeutet hat, die ich geliebt hab, die für mich wie ein Mantra war…..

Meine Seele warum bist Du betrübt, und bist so unruhig in mir. Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, meinem Gott und Retter, auf den ich schaue.

Aus dem 42. Psalm

So war es mit diesem Video.


JONAS KAUFMANN et son âme…

ESTI | MySpace Video

Anpassung vonnöten

Mittwoch, Februar 24th, 2010

1. Ich wackel beim Gehen. Gehen kann man das schon garnicht mehr nennen….. eher watscheln, und das vornübergebeugt wie ein Huhn.
Das lassen wir mal als Erkenntnis des heutigen Nachmittags so stehen…..

Es wurde schnell “was Altes”, dass ich jetzt allein los kann, selbst einkaufen, zu Fuss, mit Bus und Bahn – das war so das letzte Bißchen zurückeroberte Selbstständigkeit, was noch gefehlt hatte. Und jetzt, wo es fast schon normal geworden ist, kommt die “Feinabstimmung”, sozusagen (wohl eher die Grobmotorik ;) ….. ).

Also gut, das mit dem vornübergebeugt laufen “wie ein Huhn”, das Problem hatte ich schon vorher. Ich will ja nicht schon wieder jammern, aber ich hab seit frühester Kindheit immer den Kopf einzogen, hab mich geduckt – bloß nicht auffallen – , und in der Pubertät führte dann ein recht schnell im Wachsen begriffener körperlicher Grund ;) dazu, dass ich mich noch krummer hielt.

Die Angsterkrankung hat dann ihr Übriges dazu getan, Angst macht erstmal richtig krumm, und irgendwann ist es dann nicht mehr nur die Haltung, dann hat man einen Buckel. Mittlerweile, so seit ein paar Monaten, halte ich mich absichtlich so gerade wie irgend möglich, wann immer ich dran denke. Aber als ich mich eben beim Gehen in einer Schaufensterwand spiegelte, hab ich mich wirklich erschrocken!

Offensichtlich hab ich beim Gehen kein Gefühl für “gerade” mehr, das, was ich als gerade Haltung empfinde, ist ein ungefährer Neigungswinkel von gut und gerne 30°. Und dann diese Wackelei bei jedem Schritt ….. nein, also, das geht gar nicht!

Auf der anderen Seite hab ich mir überlegt, ist vielleicht auch gar nicht so schlecht, denn wenn ich jetzt aktiv daran arbeiten muss, dieses Wackeln abzustellen, dann kann ich auch das ständige Krümmen angehen.

2. Ich brauche neue Klamotten, zumindest neue Hosen, meine fallen mir nämlich weg :mrgreen: , und zwar wörtlich gemeint, wenn ich sie oben loslasse, hängen sie mir um die Knie.

Ich bin wirklich nicht der Typ, der einen solchen Aufstand um abnehmen und zunehmen macht, ich mochte/wollte nie sehr dünn sein (ernsthaft!), denn das würde mir gar nicht stehen, nur, was ich durch diese Erkrankung in den letzten ca. 13 Jahren zugenommen hatte, das war einfach zuviel.
Sonderlich interessiert hat es mich aber nicht, denn da gab es nun wirklich Anderes zu bedenken, als wie dick oder dünn ich bin.

Bis vor ca. acht Wochen hatte ich nicht mal eine Waage, das letzte mal gewogen hatte ich mich 2003, da hatte ich gerade diese sieben Jahre hinter mir – ich nahm das recht exorbitante Wiege Ergebnis zur Kenntniss, und das war’s auch schon. Es war mir völlig egal.

Ich schätzte mich auf ein sehr illusionsloses Gewicht, als ich mich nun zum ersten mal wieder wog – und ich war so überrascht und völlig perplex festzustellen, dass ich 15 Kilo weniger wog, als auf wieviel ich mich geschätzt hatte. Das hat mir einen ordentlichen Motivatiosschub gegeben – zusammen mit meiner neu entdeckten Vorliebe für das Laufen hat das in den letzten Wochen quasi “Wunder” bewirkt…..

Schöner Schreck!

Dienstag, Februar 23rd, 2010

20h Feed Reader zu gemacht, gekocht, gegessen, heiß geduscht, danach nur nochmal kurz vorm Schlafen gucken gewollt….. hätte ich’s man gelassen.

Die im Sekundentakt in die Höhe schnellende Zahl der neuen Plácido Domingo  Google Alerts ließ mich seltsamerweise sofort etwas Schlechtes ahnen.

New York Times: “Domingo to Undergo Surgery After Suffering Abdominal Pain”

Aus dem Artikel (Übersetzung von mir)

“Plácido Domingo, (…), litt während seiner Auftritte in Tokyo in der letzten Woche an schweren Unterleibsschmerzen und wird sich einer “vorsorglichen Operation” unterziehen. (…) Der Schmerz hielt über eine Woche an, sagte seine Sprecherin. Er reiste für eine medizinische Untersuchung nach New York, und die Ärtze empfahlen den Eingriff.”

Das ist mehr oder weniger was alle Nachrichten darüber bringen. Während es in der offiziellen Darstellung keine Aussage dazu gibt, um welche Art Operation es sich handelt, bzw. was sie verhüten soll, so wird hier und da über eine Blinddarm-Op spekuliert, was auch mein erster Gedanke war  (schließlich haben Männer nicht so viele Organe im Unterleib, bei einer Frau käme da sehr viel mehr in Betracht), außerdem wäre es wohl noch das Harmloseste, sofern man bei einem fast 70 jährigen bei einer Op mit Vollnarkose überhaupt von “harmlos” sprechen will, außerdem: hat er den überhaupt noch? Ich meine mich erinnern zu können….. aber das waren Leistenbrüche damals, oder?! Hach, ich bin ganz durcheinander…..  Aus anderen Quellen heißt es “er hätte bereits eine Behandlung hinter sich”, was, ehrlich gesagt, alles heißen kann, was sich aber um Einiges beunruhigender anhört, ebenso wie die Meldung, seine Frau und sein Sohn seien bei ihm im Krankenhaus (was wiederum selbst bei einer Grippe völlig normal wäre, wenn man es nüchtern betrachtet, was ich nur momentan nicht kann…..).

Nein, ich werde mich jetzt nicht verrückt machen. Ich mache mir nur schreckliche Sorgen. Wollen wir das Beste hoffen, hoffentlich verläuft alles gut und er kommt schnell wieder auf die Beine!

Wie die Jungfrau zum Kinde…..

Sonntag, Februar 21st, 2010

Vorwort

Die Chancen stehen günstig, dass ich diesen, zweifellos sehr lang und noch konfuser als sehr werdenden Artikel schon nach ein paar Tagen wieder vom Netz nehme – und das sage ich jetzt nicht, damit Sie ihn lesen….. im Gegenteil, tun Sie sich und mir einen Gefallen und lesen Sie ihn nicht, verstehen können, was los ist und worum es wirklich geht, werden sowieso nur ganz Wenige, für die weitaus größte Mehrheit der Leser wird das hier ein recht diffuser Unsinn sein – aber sei’s drum ;) ich hab’s aufgeschrieben, und ausschließlich darum geht’s mir, es muss einmal raus.

Fairerweise konnte ich diesen Artikel aber erst schreiben, nachdem ich einer sehr netten Dame das Ein oder Andere erklärt hatte, damit sie es nicht hier auf dem Blog erfahren musste.

~~~~~

Es gab einen Grund, warum ich in diesen Zug gestiegen bin letzte Woche.

Nein, ich muss anders anfangen. Ich hab nicht mal die Hälfte von der ganzen Boccanegra/Berlin Geschichte erzählt, z.B. hab ich nicht erwähnt, dass ich mindestens ein halbes Dutzend Leute gekannt habe, die ebenfalls da waren, bzw. das planten, die sich aber in dem Moment nicht mehr gemeldet haben, wo ich hier erwähnt habe, dass es wesentlich leichter für mich werden würde, wenn ich nicht allein dort wäre,….. ich habe nicht erwähnt, dass eine bestimmte Person hinterher überall rum erzählt hat, wie extrem peinlich es ihr unter diesen Umständen doch sei, dass sie mir eine ganz bestimmte Sache zu verdanken hätte,….. ich habe eine Menge nicht erwähnt, denn, hätte ich es getan, dann wäre mir wohl der Kragen entgültig geplatzt und ich hätte mir einmal Luft gemacht und geschrieben, was mir schon seit Jahren auf der Seele liegt, dass nämlich “der überwiegende Teil einer bestimmten Sorte Menschen”, zu der ich dummerweise leider dazu gehöre, an Arroganz, an Selbstgefälligkeit, an Vorurteilen, an Standesdünkel und an Oberflächlichkeit kaum zu überbieten ist! (Das hat gut getan  :) ! Die drei Menschen, die ich ausdrücklich davon ausnehme, wissen hoffentlich, dass ich sie nicht meine!).

Was hat das mit dem Zug fahren und, mehr noch, mit der Überschrift zutun?!

Nun, zu Ersterem, mein Vater hatte mir doch angeboten, mit mir vor “Simon Boccanegra” Zug fahren zu üben. Nicht gleich bis nach Bielefeld, davon war nie die Rede, nein, erstmal ein paar Stationen und sofort mit dem nächsten Zug zurück, auch in der Stadt rumlaufen war nicht geplant gewesen, einfach nur erstmal überhaupt in einen Zug steigen. (Wenn man sich mal ansieht, was da letzte Woche passiert ist, drängt sich natürlich die Frage auf, wie ich das in Berlin dann jemals hätte schaffen sollen.) Aber nicht mal das hatte ich letztes Jahr gekonnt.

Ich hatte den Ausblick, Domingo in Berlin zu sehen, für die Karte hatte ich meinen ganzen Schmuck verkauft, und ich kann nicht mal, trotz angebotener Hilfe, bis zum Bahnhof kommen um überhaupt mal zu üben, in einen Zug zusteigen, ABER NUR EIN PAAR WOCHEN SPÄTER STEHE ICH MORGENS AUF, ZIEHE MICH AN, PACKE MEINE SACHEN, GEHE OHNE EIN WORT ZU SAGEN ZU FUSS ZUM BAHNHOF, STEIGE IN DEN ERSTEN ZUG DER HÄLT, FAHRE DAMIT ALLEIN IN EINE GROSSSTADT UND    BLEIBE!   DA!!   AUCH !   NOCH!    DEN!    GANZEN!     TAG! …..   ALLEIN!

Kommt Ihnen das nicht seltsam vor?!

Jetzt könnte man natürlich anführen, dass es mir seit Dezember ja kontinuierlich besser ging, und zwar so viel besser, wie es kaum Jemand noch mal für möglich gehalten hätte. Das ist richtig, nur, die Umstände sind so kompliziert, so verworren – und nicht zuletzt so privat, dass Sie mir einfach glauben müssen, dass die Sache mit dem Zug letzte Woche davon noch mal Lichtjahre abwich! Selbst die Tatsache, dass meine jahrelange Zwangserkrankung im Januar plötzlich eines Morgens verschwunden war, wird davon bei Weitem in den Schatten gestellt!

Was ist das Einzige, dass einen Draht zu mir hat, das selbst in der Hölle, in der ich jahrelang war, zu mir durchgedrungen ist, mich berühren konnte, wo selbst das Licht aufgegeben hatte? Richtig….. Musik. Musik ist mein Motor. Seit ich denken kann, ist Musik mein Dreh und Angelpunkt. Man hat schon als Kind nicht mehr gewagt, sie mir wegzunehmen, weil ich dann Tobsuchtsanfälle bekam, und als ich mich selber davon abgekehrt habe, wäre ich fast gestorben.

….. glauben Sie im Ernst, irgendetwas Anderes als Musik, bzw. die Aussicht auf diese, hätte die Kraft besessen, mich in diesen Zug zu kriegen!?! Da kennen Sie mich aber schlecht. Nicht mal in Lebensgefahr wäre ich da eingestiegen! Lesen Sie mal allein den ersten Abschnitt hiervon – was um alles in der Welt sollte  mich wohl davon abgehalten haben, vor Panik sofort wieder kehrt zu machen und mich auf dem Bahnhofsklo zu verstecken bis der  nächste Zug nach Hause, in Sicherheit, geht…..

Mich wundert die Tatsache an sich überhaupt nicht mehr, schließlich war das schon immer so, aber was ich einfach nicht verstehen kann, das ist, warum das bloß nicht alles letztes Jahr passiert ist?! Das wäre eine logische Konsequenz gewesen.  Ebenso hätte ich es verstanden, wenn es gar nicht passiert wäre, dann wäre die Krankheit eben stärker. Aber was mir jetzt absolut nicht in den Kopf will, das  ist,  was es jetzt zu Wege gebracht hat!

Womit wir beim eigentlichen Grund für dieses ganze Blabla wären. Bevor ich jetzt sage, was ich zu sagen habe, möchte ich ausdrücklich betonen, dass ich an diese Karte gekommen bin wie die Jungfrau zum Kinde! Ich wusste gar nichts von diesem Konzert! Und wenn ich es gewusst hätte, wäre ich nie….. nie nie nie! auf die Idee gekommen, mir dafür eine Karte zu besorgen! Nicht nach letztem November! Nein, diese Karte ist mir quasi aufgenötigt worden. Aus heiterem Himmel hatte ich plötzlich ohne irgendein Zutun meinerseits eine Eintrittskarte für diesen Liederabend (plus Begleitung, womit ganz nebenbei und ebenfalls ohne mein Zutun ein weiteres “Boccanegra Problem” beseitigt war) – und am nächsten Morgen wache ich wie von der Tarantel gestochen auf, springe aus dem Bett und tue Dinge die, ehrlich gesagt, wohl kein Mensch, mich eingeschlossen, mir je wieder zugetraut hätte!

Irgendetwas läuft hier doch ganz gewaltig schief, dass müssen Sie doch wohl zugeben…..

Zum Schluss

Im Grunde, wenn ich ehrlich bin, weiß ich natürlich sehr gut, dass hier gar nichts schief läuft. Es läuft genau so, wie ich es angezogen hab….. das war mir noch nie so klar. (Das hab ich jetzt davon, dass ich die CD die letzten zwei Monate nicht ausmachen konnte….. ;) ) Irgendwann schreibe ich vielleicht nochmal darüber, warum hier, zumindest vom universellen Standpunkt aus gesehen, gerade alles genau richtig läuft, die Sache ist nämlich sehr einfach – bestechend einfach, aber sie ist nicht sehr leicht aufzuschreiben

Ob ich denke, dass ich nach München kann? Ja, geht’s noch?! Nein natürlich denke ich das nicht! Wissen Sie wie weit das von hier ist ? Das ist doch idiotisch! Dummerweise werd ich das beunruhigende Gefühl nicht los, dass ich genau deswegen da landen werde…..

Woher…..

Samstag, Februar 20th, 2010

die Scheuerspuren auf der “Gratis-Jacke” letzte Woche gekommen sein dürften, war mir nach nur einmaligem Tragen ebenso klar, wie, warum die Vorbesitzerin dieses sonst doch wirklich schöne Stück wohl weggeben hat: keine Handtasche hält auf der Schulter! Es muss am glatten Material liegen, oder was weiß ich woran sonst, aber jede über die Schulter gehängte Tasche hat man sofort im Ellenbogen hängen – sie rutscht nicht langsam so immer ein Stück, nein, wenn man sie loslässt ….. sssssst….. ist sie unten. Das ist vielleicht nervig.

Ich kenne den Trick  it den Gummibändern, bezweifle aber, das der hier gut funktionieren würde (da wirklich sehr glatt), weiß noch jemand was Anderes?

Glücksgriff

Donnerstag, Februar 11th, 2010

Jeden Tag war ich diese Woche unterwegs, und ich hatte mir gedacht, vielleicht denkt der ein oder andere, “na, erzählen kann die viel”, außerdem hatte ich mir sowieso vorgenommen, mal mehr Fotos auf diesen Blog zu kriegen, deswegen hab ich heute die Kamera mitgenommen – zum fotographieren bin ich trotzdem erst zuhause gekommen, und das sehr gerne……

Ich war heute (Taxi in die Stadt mit meiner Mutter geteilt, ich erinnere an das erste mal neulich ) in einem Secondhand Laden. Ich wollte nur mal durchgucken, und fand dabei eine wunderschöne Jacke, die auch noch wie angegossen passte. Die Preise dort kennend, schätzte ich sie so auf 6 bis 8 Euro, das hätte ich mir diesen Monat gerade noch leisten können. An der Kasse stellte ich dann fest, dass die Jacke oben an  der Schulter etwas abgescheuert war, das sah man zwar kaum, da der Kragen drüber fiel, aber  trotzdem wolle ich sie so nicht nehmen. Ich sagte, ich würde sie zurückhängen, als die Frau meinte, unter diesen Umständen würden sie die Jacke eh wegschmeißen müssen, und wenn ich sie haben wollte, könne ich sie umsonst mitnehmen :shock: .

(Ich hab jetzt ewig versucht das Bild zu drehen, aber es “fällt immer wieder um” hmpf – denken Sie es sich halt richtig rum ;) .)

Kulturschock, 2. Teil

Mittwoch, Februar 10th, 2010

Warum ich diesen Titel gewählt hab, ist im gestrigen Beitrag kaum rüber gekommen.

Ich kam mir vor, als hätte man mich aus dem Dschungel geholt….. am schlimmsten waren die ersten 30 Minuten, wie eine Besoffene prallte ich gegen mir entgegenkommende Menschen, es glich einem einzigen Spießrutenlauf, was ich da veranstaltete. Ich hatte völlig verlernt, mich in einer großen Gruppe Menschen zu bewegen, mich dem Fluss anzupassen. Ich kam überhaupt nicht vom Fleck. Um nicht ständig gegen Leute zu knallen, versuchte ich, Ihnen so gut es ging auszuweichen, rannte von einer Ecke in die andere, entschuldigte mich hier und da – bis ich mich völlig erschöpft in einen Hauseingang flüchtete und erstmal die Augen zumachte und durchatmete.

Was, um alles in der Welt, hab ich mir dabei gedacht?! Von diesen sieben Jahren hatte ich mich nie ganz erholt, neben schwachen Muskeln hab ich Orientierungsschwierigkeiten zurück behalten, ich hab seit dem so gut wie kein räumliches Denken mehr, wenn mir jemand entgegen kommt, kann ich nicht abschätzen, wann der auf meiner Höhe sein wird, geschweige denn, ob wir aneinander vorbei kommen.  Ich hatte seit 13 Jahren nicht mehr soviel Menschen auf einen Haufen gesehen. Und die gingen alle so schnell, und redeten dabei, mir schwirrte der Kopf von all den Sprachfetzen, die ich aufschnappte.

Ich ging langsam an der Hauswand weiter. An einer Ampel suchte ich den Knopf zum Drücken, fand aber keinen, die Ampel wurde plötzlich von allein Grün und ich stellte entsetzt fest, dass sich hinter mir eine riesen Menschenmenge angesammelt hatte, die sich nun ruckartig in Bewegung setzte,  und von vorne kamen mindestens eben soviele…… um weiteren Zusammenstößen vorzubeugen, ging ich zwischen den Autos durch und bekam nicht mit, dass die Ampel wieder umgeschaltet hatte, was wütendes Hupen zur Folge hatte.

Auf der anderen Seite fing die Einkaufspassage an. Ich stellte mich erstmal wieder an eine Hauswand und sah mich um. Schräg neben mir war ein Schild auf dem stand “Alle Netze 35 Flat” und ich dachte nur, “was um alles in der Welt soll das heißen”?! In dem Moment wurde mir klar, dass ich völlig fremd war – fremd in der Welt und fremd in einer Stadt, die ich mal wie meine Westentasche gekannt hatte, und dass ich zudem noch die minimalsten Grundkenntnisse für das Leben in einer Stadt verloren hatte.

Das war schon im Zug angefangen, bei dem Ticket Automat hatte ich auf dem Bildschirm herumtippen müssen. Auf die Idee wär ich nie gekommen, wenn ich nicht die Frau vor mir beobachtet hätte. Dann hatte ich gemerkt, dass ich nicht wusste, wie man die Zugtüren auf bekommt, denn Griffe hatten sie keine – wieder hatte bei den nächsten Stationen darauf geachtet, was die Anderen machten. Wenn ich diesen Morgen halbwegs heil überstehen wollte, dann würde ich ganz schnell lernen müssen und als erste musste ich lernen, wie man durch eine volle Einkaufspassage geht, ohne alle Leute umzurennen…..

Ich nahm eine  ältere Frau ins Visier, die ziemlich langsam und mühsam ging, ihr wich man aus, also entschied ich mich, zu humpeln. Einerseits würde es erklären, warum ich extrem langsam ging, andereseits würden Entgegenkommende vielleicht etwas vorsichtiger sein. Das ging erstmal ganz hervorragend. Ich versuchte, so was wie ein Schema aus zumachen, wer wann wem auswich, erkannte aber schnell, dass das unsinnig war, all die Menschen schienen einen angeborenen Sinn dafür zu haben, wie man sich in einer Menschenmenge bewegt – und ich hatte den auch mal gehabt!

London. Ja, das war der Schlüssel. Ich würde auf  London “umschalten” müssen. Als ich in London gelebt hatte, da hatten mir selbst die größten Menschenansammlungen nichts ausgemacht, ich hatte mich damals in null Komma nichts in der Stadt zurecht gefunden, im Moment funktionierte ich offensichtlich mit einem “Dorf” Betriebssystem, ich würde mich auf “Stadt” umstellen müssen – das mag jetzt seltsam klingen für Jemanden der sich – nun, nennen wir es mal der sich nicht mit den Dingen beschäftigt hat mit denen ich mich beschäftigt hab, aber die Wirkung war verblüffend. Innerhalb weniger Minuten konnte ich mein Humpeln an den Nagel hängen und bewegte mich sehr viel sicherer, außerdem schien ich eine Sperre gegen diese überflutenden Sinneseindrücke zu entwickeln.

Und dann fiel mir zum ersten mal auf, dass ich überhaupt keine Angst hatte. Seltsam, oder? All dies “Neue” war so überwältigend, dass ich das irgendwie komplett “vergessen” hatte.

Ich sollte, so dachte ich mir, diese Stunden sinnvoll nutzen, denn sowas war nicht alltäglich – ich war an einem Ort, an dem ich seit Jahren so gerne sein wollte, ich war wirklich völlig angstfrei und körperlich ging’s mir auch gut. Gut. Wo wollte ich denn gerne hin? Erstmal bis zum Stadttheater laufen, einmal diesen Weg gehen – ich wag es ja kaum zu schreiben, aber vielleicht, wenn das mit dem Zugfahren jetzt gut klappt, könnte ich ja mal dort in die Oper….. -, überhaupt, einmal durch die Altstadt gehen, all diese Geschäfte in der Bahnhofsstrasse (Haupteinkaufsstrasse in Bie) interessierten mich nicht wirklich.

Mit glühenden Augen stand ich vor einem Musikgeschäft, in dem ich früher immer meine Noten gekauft hatte, ein Buchladen war auch noch da, wo er damals gewesen war, er hieß nur anders. Gegenüber vom Theater fand ich einen dieser Friseure, bei denen  man keine Termine braucht und quasi “wie am Fließband” abgefertigt wird….. das ist jetzt keineswegs so negativ gemeint, wie es sich anhört, im Gegenteil, da könnte ich vielleicht mal hingehen, ohne Termin ist für mich ja immer  Vorraussetzung und dort kostet waschen und schneiden nur 11 Euro. Mein Gott, wann war ich das letzte mal beim Friseur? So Anfang der 90er, glaub ich…..

…… to be continued…..

Kulturschock, 1. Teil

Dienstag, Februar 9th, 2010

Der heutige Tag wird noch viele, viele Blogposts nach sich ziehen, vielleicht nicht alle nacheinander, ich bin ja kein Unmensch ;) , aber ich kann unmöglich alles in ein paar Zeilen packen – und letztendlich muss es ja niemand lesen.

Ich hab mir heute morgen beim Aufwachen gedacht “Du willst doch so unbedingt in eine Großstadt – Du fährst jetzt in eine!” Ja klar….., lol, ich fahr in eine. Seit 1997 war ich nicht mehr aus diesem Dorf raus, sieben Jahre davon eingesperrt in einem Zimmer ohne Tageslicht….. ich fahr in eine Großstadt….. sicher.

Wer hier öfters liest, weiß, dass ich früher in London gelebt hab, und dass ich, seit es mir seit ein paar Jahren besser geht, die Großstadt immer mehr vermisse. Ich brauche einfach Menschen, ich versteh mich zwar oft nicht gut mit Ihnen, aber sie sind doch meine Art, meine Rasse. Das ist etwas, dass mein Vater nie verstehen konnte, dass ich trotz meiner schlechten Erfahrungen, Menschen so furchtbar gern mag. Aber sie sind doch Meinesgleichen, jeder Hund freut sich, wenn er einen anderen Hund trifft – ob die sich dann verstehen, das steht auf einem ganz anderen Blatt, selbst wenn sie sich anknurren und beißen, wenn sie nicht völlig “vermenschlicht” sind, sind sie doch froh, Ihresgleichen zu sehen. Und genauso brauche ich Menschen. Wirklich verstehen wird das wohl nur Jemand, der wie ich mal jahrelang von der Außenwelt abgeschnitten war.

Ich überspringe jetzt mal den sich langsam immer wiederholenden Teil über mein Ringen mit mir selbst, über die Selbstgespräche usw. und mache im Zug weiter.

Ja, ja, sie haben ganz richtig gelesen, im Zug. Ich bin tatsächlich in einen Zug gestiegen. Ich hatte keine Zeit zum Nachdenken, denn als ich ankam, kam auch der Zug und es galt, entweder sofort einzusteigen oder stehen zubleiben – und ich stieg ein.

Um nichts auf der Welt können sie sich vorstellen, wie es für mich war, als wir nach ein paar Minuten aus dem Dorf raus waren. Ich hatte doch seit 13 Jahren nichts Anderes mehr gesehen und miteinmal sah alles fremd aus – andere Häuser, Strassen, Farben, Formen….. ein anderer Horizont….. ich hab all  diese Eindrücke aufgesogen wie eine Verdurstende Wasser, wie ein kleines Kind an Weihnachten hab ich mit großen Augen aus dem Fenster gestart. Alles, jedes noch so kleine Detail wollte ich mitbekommen. Eigentlich müsste ich diese Strecke gut kennen, wie oft war ich sie früher gefahren, aber es hatte sich so unglaublich viel verändert.

Jetzt könnte man natürlich darüber streiten, ob Bielefeld eine “richtige” Großstadt ist – aber heute morgen, da war diese Stadt für mich das Zentrum der Welt.

Und dass ich tatsächlich in der Welt angekommen war, daran wurde ich recht ungut durch eine Lautsprecherdurchsage erinnert, als ich aus dem Zug ausstieg…..

“Der Inhaber der verlassenen Gepäckstücke auf Gleis 2B möchte sich umgehend melden – ich wiederhole, der Inhaber des Gepäcks auf Gleis 2B möchte möchte sich sofort melden, sonst wird der Bahnhof gesperrt.”
:shock: Waaas? Und wie soll ich dann nach Hause kommen?! Erstmal hab ich allerdings zugesehen, dass ich schnurstracks aus dem Bahnhof kam, ich war mir nicht sicher, ob die mit “Sperren”  meinen, dass dann auch niemand mehr raus kommt…..

….. to be continued…..