….. wo ich gestern war.
Langsam überschlägt sich hier alles, ich war doch noch nicht mal mit meiner Beschreibung vom ersten mal fertig. Und bevor Sie jetzt meinen, sich erst wieder psychisch wappnen zu müssen, wenn Sie das hier lesen wollen….., nein, nein, lesen Sie ruhig, dazu besteht diesmal wirklich kein Grund.
Obwohl es erst ganz anders aussah.
Ich hatte mir vorgenommen, ab jetzt jeden Monat für einen “Nicht Lebensmittel Großeinkauf” weiter weg zu fahren, also hauptsächlich Drogerieartikel, Apotheke, Dinge die ich sonst im Internet bestellt hätte usw. . Auf diese Weise hätte ich für kaum Zusatzkosten (nur die Bahnfahrkarte) eine ganz hervorragende Therapie. Nur im Voraus planen geht natürlich noch nicht. Da mir aber die Seife und entcoffeinierter Darjeeling Tee (nobel geht die Welt zu Grunde
) ausgegangen war, stand ich gestern morgen vor einem recht diffusen und für Außenseiter schwer verständlichen Problem….. Wenn ich jetzt anfangen würde, erst wieder hier im Dorf in die Drogerie zugehen (wovon ich, nebenbei bemerkt, immer noch meinen Tee nicht hätte, denn sowas kennt man hier, glaub ich, gar nicht), dann würde ich aus reiner Bequemlichkeit über kurz oder lang das selbständige Einkaufen wieder ganz aufgeben und das Auto meiner Eltern nehmen – wo dann wieder einer von ihnen mitfahren müsste, da ich nicht allein Auto fahren kann, wodurch sich dann alles über diesen Winter erreichte in null Komma nichts in Luft auflösen würde – und womit sich dann, in letzter Konsequenz, auch München erledigt hätte.
Das war aber noch nicht das ganze Problem. Irgendwie war mir klar, wenn ich das nächste mal nach Bielefeld komme, dann ist dieser “ahh” Reiz weg. Ich meine, machen wir uns nichts vor, wie fremd kann diese Stadt mir in 15 Jahren geworden sein, schließlich war ich hier an der Uni, jahrelang war ich fast jeden Tag in der Innenstadt, nächtelang in Discos und Kneipen, und außerdem hatten bestimmte Leute natürlich recht….. es ist Provinz.
Nein, sicher ändert es nichts daran, dass es für mich ein absoluter Meilenstein ist, da jetzt wieder hin fahren zu können, und es wäre aus normaler Sicht völlig in Ordnung, das jetzt ein halbes Jahr so ohne weitere Steigerung durchzuziehen, nur “irgendwem” passt das wieder nicht, und dieser “irgendwer” (das brauchen Sie nicht zu verstehen) hatte beschlossen, dass eine Steigerung da zu sein hat, jedesmal. Und ich hoffte inständig, dass die Tatsache, dass ich mit einem sehr wahrscheinlich proppe vollen Zug in eine völlig überfüllte Stadt müsste – schließlich war es der erste Samstag im Monat (nicht ganz, aber Sie wissen, was ich meine) – als Steigerung reichen würde …..
Ganz im Gegensatz zum ersten mal, musste ich gestern tatsächlich viel Überwindung aufbringen.
Ich war früh am Zug, so dass ich genügend Zeit hatte, um mir zu überlegen, was alles schief gehen könnte und ob ich es nicht besser lassen sollte. Dann musste ich im – tatsächlich überfüllten – Zug rückwärts fahren, und alles, was mich davon abhielt, nicht bei der nächsten Station die Flucht zu ergreifen, war “Himmelnochmal Du bleibst da sitzen! Wie willst Du im Juli sechs Stunden Zug fahren, wenn Du hier nicht mal ‘ne halbe Stunde rückwärts schaffst?!” und außerdem….. es war kalt, es regnete, ich wäre auf einem fremden Dorfbahnhof gestrandet gewesen ohne die Aussicht, dass der nächste Zug weniger voll sein würde. Zur Not würde ich halt aufstehen.
Als ich dann noch bei dem Gedränge beim Aussteigen und auf dem Gleis fast in Panik geraten und beim Anblick der Einkaufpassage, in der eine riesige Menschenmenge wie ein Fluss hin und her schwappte entsetzt stehen geblieben war, dachte ich, mir doch zumindest ganz sicher sein zu können, dass es Steigerungen für diesen Tag doch nun genug gegeben hatte…..
….. gut eine dreiviertel Stunde später zog ich eine Nummer bei einem dieser Friseure, die sehr billig sind und bei denen man keine Termine braucht!
Ich mag keine Friseure, mein letzter Besuch war gut 13 Jahre her. Zu den schlechten Erfahrungen kommen noch 1. die Erinnerung an eine ganz masssive Angstattake bei einem Besuch und 2., dass ich immer nie weiß, ob ich was, bzw. was ich sagen soll.
Meine Nummer war noch lange hin und ich erfuhr, dass ich nicht dort zu warten bräuchte.
Als ich nach 20 Minuten wieder kam, war der Zähler erst eine Nummer weiter, also beschloss ich noch kurz auf Toilette zu gehen, und als ich da wieder kam (10 Minuten) waren miteinmal sieben Nummern weg und meine schon überschritten. Das konnte so nicht angehen, aber nun gut, vielleicht waren andere Kunden auch nicht rechtzeitig wieder da gewesen, damit muss man rechnen, ich hätte ja da bleiben können – kein Drama. Da der Laden aber fast leer war, fragte ich, ob ich eine neue Nummer ziehen müsse – schließlich war ich zum ersten mal da – und hatte wirklich die einzige unangenehme Erfahrung des ganzen Tages: Ein Friseur, der sich für sonstwas hielt und es offensichtlich nicht gelernt hatte, eine normale Konversation zu führen. Angesprochen, musste er erstmal aufseufzen und überlegen, ob er es fertig bringen würde, mir eine Antwort zukommen zu lasssen, und so ging das weiter….. als ich hinterher meine Friseurin fragte, ob ich den Fön nehmen könnte, rief er vom Nebenstuhl, nein, ich müsse pusten, als ich fragte, ob ich den Umhang (zur Erklärung: bei dieser Friseurkette muss man eine Menge selbst machen) dort auf dem Stuhl liegen lassen könnte, meinte er einfach “nein”, und nur mein ziemlich verärgerter Blick dürfte ihn davon abgehalten haben, noch ein flappsiges “den müssen Sie jetzt festhalten” nachzuschieben.
Ich hab lange überlegt, ob ich mich über sein Verhalten beschweren soll, eine Telefonnummer dafür gibt es. Früher hätte ich automatisch mir selbst die Schuld gegeben, hätte mir gesagt, so ist halt der normale Tonfall und ich bin viel zu empfindlich, aber damit ist zum Glück lange Schluss. Ich konnte schon als Jugendlicher nicht mit “flappsig immer man locker”, das war nie mein Ding. Wenn sie draußen ein Schild aufhängen, dass dies ein Friseur für Jugendliche ist, dann können die drinnen ja so einen Ton anschlagen, aber solange sie das nicht tun, kann man jawohl von einem ordentlichen, erwachsenen Tonfall ausgehen. Dazu kommt, dass der Mann einfach unfreundlich war.
Das alles gesagt habend, kann ich ansonsten aber nur Positives über diesen Friseur berichten, der Laden ist sauber und ordentlich, und die Dame, die bei mir die Haare geschnitten hat, war super freundlich und konnte das richtig gut. Ich hatte auch früher, als ich noch zu Friseuren ging, selten so ordentlich geschnittene Haare.
Gut, was bliebe noch…..
Dass ich wieder nach Hause gekommen bin, dürfte klar sein. Die Zugfahrt im Halbdunkel und bei Vollmond (und vorwärts
) war so schön. Ich hab auf dem Bahnhof tatsächlich überlegt, ob ich noch nach Hannover fahren soll – nur hin und wieder zurück. Warum Hannover….. das erkläre ich ein andermal.
Nachtrag:
Ach ja, die Bilder, also das links, das ist das alte Bielefelder Rathaus, und rechts, dazu sag ich immer “die Oper” , in Wirklichkeit ist es das Stadttheater.


