Ich hab immer nur über’s Singen erzählt, dabei gibt es ein anderes Instrument, dass ich, zumindest was richtigen, professionellen Unterricht angeht, sehr viel länger gespielt habe – obwohl ich es eigentlich garnicht mochte. Es ist auch das Instrument, das ich in meiner Wut oft dafür mit verantwortlich gemacht habe, dass ich krank geworden bin.
Ich hab angefangen, klassische Gitarre zuspielen, als ich 13 war. Damals war der “Kampf um die Musik” schon gewonnen, meine Eltern hatten verstanden, dass (klassische) Musik meine Welt ist, und dass es recht unliebsame Folgen haben konnte, wenn man versuchte, mir das weg zu nehmen. Ich durfte in sovielen Chören singen, wie ich Lust hatte und meine Stimme aushielt, selbst wenn die Schule darunter litt, und bekam, im Rahmen der finanziellen Mögichkeiten, alle Instrumente, die ich wollte – und mit 13 wollte ich eine Gitarre.
Obwohl es mir mit der Musik an sich wirklich sehr ernst war, war die “Gitarren Geschichte” das, was meine Eltern mir immer unterstellt hatten, als ich mit sieben mit Opern anfing….. nur eine Laune, die ich morgen wieder vergessen hätte. Und ausgerechnet diese Laune nahmen sie sehr ernst….. Hatte ich mir bisher alle Instrumente selbst beibringen müssen, was auch gut geklappt hatte, so bekam ich jetzt Unterricht an einer Musikschule. Ich kann meinen Eltern wirklich nicht den geringsten Vorwurf machen – ich hatte alle Instrumente gelernt, die sie mir gekauft hatten, ich ging seit Jahren zu mehreren Chören in der Woche, sie hatten allen Grund, meinen Wunsch, klassische Gitarre zu spielen, ernst zu nehmen, dabei wollte ich es nur, weil in der Kirchengruppe, in der ich war, die Gruppenleiter Gitarre spielten und ich davon so beeindruckt war. Ich wollte auch garnicht richtig spielen lernen, sondern nur die Akkorde, damit ich die Gruppe begleiten konnte.
Was dann folgte, war eine zähe, ca. 12 jährige Hassliebe…..
Von “nur Akkorde lernen”, wollte mein Gitarrenlehrer überhaupt nichts wissen. Ich glaube, er hat es mir nie verziehen, dass ich ihn das überhaupt gefragt hatte. Und so lernte ich, klassische Gitarre zu spielen….. Die Gitarre ist so ein tückisches Instrument. Selbst wenn Sie noch nie ein Klavier gesehen haben, wenn sie mit dem Finger auf eine Taste drücken – ganz egal, wie sie das machen, ganz egal, wie sie dabei den Finger halten, der Ton klingt gut, immer. Nicht so bei der Gitarre. Um da einen ordentlichen Ton zu fabrizieren, müssen sie sich die Wirbelsäule, das Handgelenk und die Fingerknöchel verbiegen, und dann immer noch höllisch aufpassen, dass sie die Finger milimeter genau bewegen, sonst knatscht alles und sie haben zig ungewollte Zwischentöne mit drin.
Als ich nach London zog, ließ ich meine Gitarre hier, vermisste sie aber seltsamerweise nach einem halben Jahr, sodass meine Eltern sie mir nachschickten. Trotzdem verlor ich während der Zeit dort so ein bisschenmeinen Bezug zur Musik, und als es – zurück in Detuschland – darum ging, was ich studieren wollte, entschied ich mich für Anglistik und Germanistik, erst hatte ich Fränzösich nehmen wollen, aber das war Quatsch – mein Französich ist absolut be…..scheiden.
Ja, und dann passierte in der Uni diese Verdi Geschichte….. Aus irgendeinem Grunde war ich laut angefangen, zu singen – zum ersten mal seit zwei Jahren (selbst überrascht, dass ich’s noch konnte), dass hatten mehrere Leute vom Fachbereich Musik gehört, ein Wort gab das andere, ich hatte wieder Blut geleckt, und weil ich noch in der Probezeit war, sattelte ich um auf Musik – und machte den , wie ich später vermutete, folgenschweren Fehler, und nahm die Gitarre als Hauptinstrument.
Ich hab wirklich daran gedacht, Stimme zu nehmen, wirklich, aber dann verließ mich der Mut. Ich würde jedes Semester öffentlich auftreten müssen, das würde ich nervlich nicht durchstehen, ich war damals noch viel schüchterner als heute. Mit der Gitarre war ich wenigstens an Auftritte gewöhnt, gesungen hatte ich öffentlich immer nur im Chor.
Zwei Jahre später wurde ich dann krank, aus war’s mit Uni, Gitarre, ja, mit allem – die Geschichte ist bekannt.
Beim letzten Umzug hierher 2003 ging meine Gitarre kaputt. Ich hatte sie zwar seit Mitte der 90er nicht mehr angefasst, aber als sie mit einmal weg war, vermisste ich sie furchtbar, weil soviele Erinnerungen daran hangen. Es war gerade die Zeit, als es anfing, mir besser zugehen, und weil meine Eltern dachten, ich würde sie so vermissen, weil ich wieder spielen wolle, kauften sie mir eine Neue.
Ich packte sie in den Schrank und vergaß sie die letzten 6 Jahre völlig, sie störte nur, weil sie Platz wegnahm.
Bis vor ein paar Tagen…..